Overknee-Stiefel

Als ich vor einigen Jahren noch für ein grosses Unternehmen arbeitete, gehörte zu meinem Job das Identifizieren und Beschreiben von Gesellschaftstrends.

Im Zuge dieser Arbeit trafen eines Tages meine Arbeitskollegin und ich einen von den zahlreichen Experten in diesem Gebiet. Der Mann war offensichtlich leicht irritiert, als er merkte, dass gerade zwei Frauen mit Migrationshintergrund über Gesellschaftstrends in der Schweiz zuständig waren. Nachdem er erfahren hat, dass ich aus Osteuropa komme, sinnierte er über die gestiegene Ausländerakzeptanz in der Schweiz. Gemäss seiner Aussage müsste er sich nicht mehr Sorgen über sein Portemonnaie machen, wenn er sich mit jemandem aus dem Ostblock in einem Sitzungsraum befindet. Dieses Statement, was völlig auf gängiger Klischees und Stereotypen basierte, liess mir die Kinnlade runterfallen. Am liebsten hätte ich dem sogenannten Experten eine geknallt. Dies hätte aber nur ein weiteres Klischee in seinem Kopf über die aggressiven und zur Gewalt neigenden Ausländer bestätigt. Ich lächelte tapfer weiter und hörte dem selbsternannten Experten nicht mehr zu.

Overknee-Stifel

Es ist natürlich einfacher, jemanden sofort in eine Schublade zu stecken und die Welt anhand gängiger Stereotypen zu betrachten. Andererseits öffnen sich einem so viele Perspektiven, wenn man etwas unvoreingenommener durch die Welt schreitet. Dieser Grundsatz gilt auch in modischer Hinsicht. Wenn wir bei den auch diesen Herbst hoch angesagten Overknee-Stiefeln nur noch Bilder von Julia Roberts in ihrer Paraderolle als «Pretty Woman» hätten, würden wir ja nie zu dieser Art von Schuhen greifen. Mittlerweile haben die Overknees ihr verruchtes Image abgelegt, sie sind alltagstauglich geworden und gelten als elegant und verspielt. Man kombiniert sie nicht nur mit einem kurzen Rock, sondern greift gerne zu einer schmalen Hose und einem Oversize-Pullover dazu. So wirken sie sofort lässig und entspannt. Wir entspannen uns dabei auch und begegnen unsere Mitmenschen offen und ohne Vorurteile.

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