Mit der Decke unterwegs

Mein erster Frankreich-Besuch liegt schon mehr als 15 Jahre zurück und wird mir mit einer bestimmten Episode immer in Erinnerung bleiben.

Ich reiste damals für ein paar Tage nach Paris mit einer guten Freundin. Keine von uns sprach auch ansatzweise Französisch, wir waren aber guter Dinge, dass wir mit den anderen Fremdsprachen im Gepäck wie etwa Englisch, Deutsch oder Spanisch weiter kommen würden. Dies erwies sich tatsächlich als schwierig und veranlasste uns später beide dazu, ernsthaft die Sprache der Liebe und der Gourmets zu lernen. Denn die sprachlichen Barrieren begannen bereits am ersten Abend im Hotel, als wir dem netten Mann am Empfang erklären wollten, dass wir wegen dem kühlen Wetter jeweils eine Decke zusätzlich brauchen. Die Versuche auf Deutsch, Englisch oder Spanisch unser Anliegen zu erklären scheiterten. Der Rezeptionist sprach nur Französisch. Die Zeiten des mobilen Internets waren noch nicht da und wir konnten eben nicht schnell das Wort online suchen. In der Not griffen wir zu einer verzweifelten Pantomime, bei der wir mit Händen und Füssen zeigten, es sei uns kalt, wir seien am Frieren und bräuchten dringend noch eine Decke. Wir unterstrichen unsere Bewegungen mit einem geräuschvollen «Brrr».

Der Mann müsste definitiv Pantomime-Erfahrung haben, denn er konnte schnell unsere Charade lösen und rief fröhlich: «Mais oui, bien sûr, une couverture!». Dieses Wort habe ich selbstverständlich nie vergessen. Ich musste neulich daran denken, als ich mir ein Cape in einer Bettdeckenmusterung für die ersten kühlen Tage zugelegt habe.

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Es gibt sie momentan in Hülle und Fülle die Capes und Ponchos in diversen Mustern, sei es Karo oder gestreift, oft mit Fransen dazu. Sie dominieren den Cape-Markt und verdrängen ihre unifarbenen Geschwister. Und sie erinnern mich stark an eine Sofadecke, die man sich schnell um die Schulter geworfen hat, wenn es eben etwas kalt wird. Sie werden lässig getragen, meistens mit einer Jeans und mit einem neutralen Oberteil. Sie sind unkompliziert und bequem und wenn es etwas kälter wird und der Herbst sich richtig bemerkbar macht, kann man sie über der Jacke oder über dem Trenchcoat tragen. Schade nur, dass diese Ponchos erst jetzt in Mode kamen. Wie sehr ich sie vor 15 Jahren in Paris gebraucht hätte!

Ein Poncho auf der Herbst-Wunschliste

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Wer kennt sie nicht:

Die südamerikanischen Panflötenspieler mit ihren bunten Ponchos, die in den Fussgängerzonen diverser Grossstädte zum «Inventar» gehören. Ein Poncho kann aber definitiv mehr als nur südamerikanisches Folklore-Flair vermitteln. Es ist ein perfekter Begleiter für die Übergangszeit und für laue Sommerabende, die man gerne auf einer Terrasse verbringen möchte.

Wie in vielen Bereichen unseres Lebens, muss man das Rad nicht unbedingt neu erfinden. Man kann aber sehr wohl darauf bauen und neue Interpretationen kreieren. Genau das haben einige Mode-Designer dieses Jahr gemacht.

Der Poncho erlebt ein richtiges Comeback für diesen Herbst/Winter und dies in zahlreichen Variationen und Mustern. So ist aus dem einfachen Kleidungsstück, das Schutz vor Wind und Regen in den Anden bieten sollte, ein angesagtes Modeaccessoire geworden. Ein Poncho wirkt immer elegant, egal ob wir es mit einem Strickkleid oder mit einer schönen Jeanshose kombinieren. Somit ist klar ein schöner Poncho steht auf meiner Wunschliste für den Herbst. Und diesmal wird es nicht schwarz sein. Denn ich wünsche mir mehr Farbe in meinem Leben!